Halbseitig.de
2025-07-17T18:48:33.207Z
Ich hatte das große Glück, „Halbseitig“ bereits vor der offiziellen Veröffentlichung als E-Book lesen zu dürfen. Der Autor hatte in einer internationalen Online-Community für Neuro-Rehabilitation sehr offen über seine Erfahrungen geschrieben, und weil ich selbst als Angehöriger betroffen bin – mein Vater hatte vor zwei Jahren einen Hirnstammschlaganfall – habe ich ihn direkt kontaktiert.Wenige Tage später erhielt ich, ganz unkompliziert und überraschend herzlich, eine Vorabversion seines Buches mit dem Hinweis: „Vielleicht hilft’s ja auch jenseits von Deutschland.“Und das hat es.Sehr sogar.„Halbseitig“ ist kein Selbsthilfe-Ratgeber und auch kein Krankheitsbericht im klassischen Sinne. Es ist eine sehr persönliche, reflektierte und streckenweise schonungslos ehrliche Erzählung über den Weg zurück ins Leben – mit all seinen Umwegen, Rückschlägen, kleinen Triumphen und leisen Momenten.Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Ton. Oliver Brandt schreibt nicht, um zu belehren. Er schreibt, um zu zeigen. Um zu teilen. Er erklärt nicht, wie man „es richtig macht“ – sondern wie es *ihm* passiert ist, was es mit ihm gemacht hat, wie sich sein Denken, Fühlen und Wahrnehmen verändert hat.Die Sprache ist dabei sehr direkt, manchmal rau, dann wieder zart und poetisch. Und immer durchzogen von einem trockenen, fast lakonischen Humor, der nie bemüht wirkt.Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Kapitel, in denen es um das Thema Würde geht – also nicht nur um Körperfunktionen, sondern um Identität. Um das Gefühl, plötzlich „anders“ zu sein, beobachtet zu werden. Und um den Mut, sich selbst neu zu definieren.Das Buch ist auch ein stiller Dank an all die Menschen, die ihn begleitet haben – Familie, Freunde, Pflegerinnen, Therapeutinnen. Ohne große Gesten, aber mit tiefem Respekt.Ich glaube, dass dieses Buch vielen Menschen helfen kann – Betroffenen, Angehörigen, vielleicht auch Fachleuten im Reha-Bereich. Es ist kein Wunderheilungsbericht. Aber ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass es Heilung jenseits der vollständigen Wiederherstellung gibt. Und dass ein Leben mit Einschränkungen nicht weniger wertvoll, sondern oft bewusster und echter ist.Ich bin sehr dankbar, dieses Buch schon lesen zu dürfen – und ich werde es weiterempfehlen, so oft ich kann.